Arbeitshilfe

Zur Hölle mit dem Teufel

Frauen für ein freies Liberia

Pray the Devil back to Hell

Ein Film von Gini Reticker,
USA 2008, 60 Min. Dokumentarfilm, OmU

Kurzinhalt

Der Film erzählt von dem mutigen, visionären Friedenskampf liberianischer Frauen, die im Jahr 2003 den Frieden für ihr vom Bürgerkrieg zerrissenes Land erreichten. Der Krieg zwischen dem korrupten Regime unter Charles Taylor und dem Zusammenschluss der warlords LURD (Liberia United for Reconciliation and Democracy), die Taylor stürzen wollten, hatte das Land zerstört, die Zivilbevölkerung traumatisiert und zur Flucht in die Hauptstadt gezwungen. Opfer waren vor allem die Frauen und die Kinder.
Der Film berichtet in Interviews mit den führenden Frauen der Bewegung und anhand von Archivmaterial von diesem historischen Friedenskampf, von dem Zusammenschluss der christlichen und muslimischen Frauen, ihren Aktionen, ihrem Mut, ihrer Ausdauer, ihrem Leid und ihrer Hoffnung und dem Erfolg ihrer Friedensdemonstration, die zur Vertreibung von Charles Taylor führte und der Wahl von Ellen Johnson, Afrikas erster demokratisch gewählter Präsidentin.

Ausführliche Inhaltsangabe

Der Vorspann weist in typisierten Bildern auf die zwei aufeinander bezogenen Bereiche hin, die im Film dargestellt werden: den Bürgerkrieg und die Friedensarbeit der Frauen. Für den Bürgerkrieg stehen zum Beispiel Blutdiamanten, Waffen, Vergewaltigung, Tod; für die Friedensarbeit Kirche und Moschee, Frauen in Weiß mit Plakaten, Friedenstaube.
Zu Beginn des Films erzählt Leymah Gbowee, Sozialarbeiterin, Begründerin und Kopf der Friedensbewegung, von ihrem persönlichen Leid: Flucht, Angst, Hunger ihrer kleinen Kinder. Ihr Einzelschicksal wird eingebettet in das Schicksal ihres Landes Liberia, dessen Zerstörung mit dem blutigen Aufstieg Charles Taylors Weihnachten 1989 begann. Seine Kindersoldaten terrorisierten die Bevölkerung. Der brutale Kampf gegen das eigene Land führte zu Verrohung, Angst, Flucht und Hunger. Mögliche Gründe für den nicht endenden Krieg werden von Leymag Gbowee benannt, aber nicht vertieft, da sie das Leid der Kinder nicht rechtfertigen.

Am Anfang ihres Friedensengagements steht ein Traum, der Traum, mit den Frauen ihrer Kirche für den Frieden zu beten. Sie verwirklicht diesen Traum, es folgt die Einladung an andere christliche Gemeinden und die Gründung der Initiative christlicher Frauen.
Asatu Bah Kenneth, Muslimin, angestellt bei der Liberianischen Nationalpolizei, gewinnt die muslimischen Frauen für die Friedensinitiative.
Während die Frauen ab Juni 2002 ihre Friedensbewegung aufbauen, rüsten die warlords, die Taylor bei seiner Regierungsbildung nicht berücksichtigt hat und die jetzt zu Macht und Reichtum gelangen wollen, weiter zum Krieg gegen Taylor. Auch sie setzen durch Drogen enthemmte Kindersoldaten ein. Im März 2003 kontrollieren die warlords die Mehrheit der ländlichen Gebiete. Die Landbevölkerung flieht in die Hauptstadt Monrovia, wo die Menschen in äußerster Armut in Lagern leben. Die Journalistin Janet Johnson Bryant, auch ein einflussreiches Mitglied der Frauenbewegung, berichtet von dem Lagerleben und erzählt das Schicksal einer Frau, die ein solches Ausmaß an pervertierter Gewalt erlebte, dass sich ihr Geist verwirrte.
Leymah Gbowee bezeugt, dass sie sich darum in der Frauenbewegung engagiert habe, weil sie Frauen getroffen habe, die, obwohl sie Unvorstellbares im Krieg erlebt hätten, ihren Lebenswillen nicht verloren hätten. Die Initiative unternimmt einen weiteren Schritt, um von den Krieg führenden Parteien gehört zu werden. Da Taylor Christ ist und die Anführer der LURD Muslime, versuchen die Frauen die Pastoren, Bischöfe und Imame für ihr Anliegen zu gewinnen, damit diese die Kriegstreiber unter Druck setzen.
Da aber der Krieg eskaliert und die Hauptstadt erreicht, beschließen die christlichen Frauen unter der Führung von Leymah Gbowee und die muslimischen Frauen, vertreten durch Asatu Bah, ihren Protest gemeinsam in die Öffentlichkeit zu tragen. Im Radio rufen die Frauen zu einer Friedenskundgebung auf an einem strategisch günstig gelegenen Punkt am Fischmarkt, an dem vorbei Taylor täglich zu seinem Büro fahren muss. Die liberianischen Frauen, obwohl sie sich gerne schmücken, tragen schlichte weiße Kleidung, sie tragen Plakate, schreien, tanzen und singen ihren Friedenssong: „We want peace. No more war.“ Die Frauen treten in einen Sex-Streik, um ihre Männer unter Druck zu setzen, damit sich auch diese für den Frieden einsetzen.  Über eine Woche stehen die Frauen am Fischmarkt, ohne dass Taylor bereit ist, ihr Anliegen zu hören. Die Frauen verfassen eine Erklärung, in der sie Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien und einen Waffenstillstand fordern, und übergeben sie dem Parlament. Der Aufruf der internationalen Gemeinschaft zu Friedensgesprächen unterstützt die Frauen.
Taylor empfängt schließlich die Frauen. Leymah Gbowee als Koordinatorin des Netzwerkes übergibt eine Erklärung der Frauen an die Senatsvorsitzende, die den Text Taylor überreicht. Leymah Gbowee trägt die Erklärung vor, in der die Kriegsmüdigkeit der Frauen formuliert ist und ihr Wille, die Zukunft der Kinder zu sichern.

Taylor beugt sich dem Druck der Öffentlichkeit und nimmt an den Friedensgesprächen mit der LURD in Accra, Ghana teil. Chefvermittler bei den Verhandlungen ist General Abdulsalami Abubakar, ehemaliger Präsident Nigerias. Die Dringlichkeit der Verhandlungen wird durch die Anwesenheit einiger afrikanischer Staatschefs und die Aufmerksamkeit internationaler Medien unterstrichen. Frauen aus der Friedensbewegung fahren nach Accra, um ihren Druck auf die verhandelnden Parteien aufrechtzuerhalten und sie mobilisieren die nach Ghana geflüchteten liberianischen Frauen. Auf das Gerücht hin, dass er verhaftet werden solle und sich vor Gericht wegen Kriegsverbrechen zu verantworten habe, flieht Taylor nach Liberia zurück.  Die Friedensgespräche in Ghana gehen weiter, während der Krieg in Liberia die Hauptstadt Monrovia erreicht hat. Aus Angst vor den Rebellen flüchten die Menschen ins Fussballstadium von Monrovia, da Taylor ihnen dort Schutz verspricht. Etty Weah, eine treue Aktivistin der Friedensbewegung, kommentiert: „Die Menschen hatten Angst vor den Rebellen, also folgten sie lieber dem Teufel, den sie schon kannten.“ Die liberianischen Frauen, die in Accra für den Frieden demonstrieren, haben Angst um ihre Familien in Liberia und halten weinend und singend an ihrer Friedensmission fest.
Der Vermittler bei den Friedensgesprächen in Ghana akzeptiert die Frauen als Verbündete. Sie verhandeln hinter den Kulissen mit den einzelnen warlords, die mit dem Geschacher um die Posten in der liberianischen Regierung, die sie bilden wollen, begonnen haben. Im Film werden Kriegsszenen in Monrovia, die Durchhalteparolen von Taylor dem luxuriösen, ausgehaltenen  Leben  der Rebellen bei der Friedenskonferenz in Accra gegenübergestellt.
Nach sechs Wochen haben die Friedensverhandlungen noch immer zu keiner Einigung geführt. Da umzingeln die Frauen den Konferenzsaal und sperren die Delegierten bis zur Unterzeichnung eines Friedensabkommens ein, Besetzung des Saals durch „General Leymah“ und ihre Truppen. Die ghanaischen Sicherheitsleute drohen mit der Verhaftung von Leymah Gbowee, da beginnt sie sich auszuziehen. Der bewusst gezeigte nackte Körper einer Mutter wird in Afrika „als Fluch“ empfunden, so bezeugt es eine der Frauen im Film. Der Vermittler der Friedensverhandlungen General Abubakar stellt sich auf die Seite der Frauen und hindert die Delegierten am Verlassen des Saals.
Nach weiteren zwei Wochen werden die Friedensvereinbarungen unterzeichnet: Taylor geht nach Nigeria ins Exil. Eine Übergangsregierung, in der viele warlords Posten übernehmen, soll demokratische Wahlen vorbereiten. Eine UN-Friedenstruppe wird in Monrovia stationiert. Die Frauen kehren in ihren weißen T-Shirts nach Liberia zurück. Viele Kinder schließen sich ihnen an und singen das Friedenslied: „We want peace. No more war.“

Die Frauen sind sich bewusst, dass sie weiter für den Frieden eintreten müssen, denn „Frieden ist ein Prozess.“ Sie müssen wachsam verfolgen, ob die Übergangsregierung die Friedensvereinbarungen umsetzt. Leymah fällt es schwer, die Ex-Kindersoldaten wieder in der Mitte der Gesellschaft zu akzeptieren und ihnen zu verzeihen, aber sie erkennt, dass viele von ihnen Opfer waren wie die Frauen auch.
Im Dezember 2003 beginnen die UN-Streitkräfte mit der Entwaffnung der Ex-Kämpfer. Die Situation eskaliert und erst durch die Intervention der Friedensfrauen gelingt die Mission der UN-Truppen.
Da sich die Frauen von einer stabilen Demokratie  die Bewahrung des Friedens versprechen, engagieren sie sich im Wahlkampf für Ellen Johnson Sirleaf. Sie wird im Dezember 2005 zur Präsidentin Liberias gewählt. Sie bedankt sich bei den Frauen für ihre Friedensarbeit und erkennt an, dass sie ihr zu ihrem Sieg verholfen hätten. Nach der Wahl Ellen Johnson Sirleafs sehen die Frauen ihre Aufgabe als erfüllt an.
Die letzte Sequenz des Films zeigt Szenen in St. Peter, der lutherischen Kirche in Monrovia, in der am 30. Juli 1980 schätzungsweise 600 Flüchtlinge von Taylors Truppen ermordet wurden und wo 2002 die Friedensbewegung begründet wurde. Es ist der Muttertag 2007. Die Frauen, die im Friedensprozess mitgewirkt haben, werden namentlich geehrt. Und die Polizistin Asatu zieht das Resümee, dass der Einsatz der Frauen darum so erfolgreich war, weil sie aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und Konfessionen kamen und für ein gemeinsames Ziel arbeiteten.

Liberia – Land und Geschichte

Liberia liegt im Südwesten von Westafrika an der Atlantikküste. Die Nachbarländer sind Sierra Leone, Guinea und die Elfenbeinküste.
Das Staatsgebiet umfasst 111.369 qkm. Das entspricht etwa der Fläche von Baden-Württemberg und Bayern.

Nach der Volkszählung von 2008 leben 3,5 Millionen Menschen in Liberia. Das Bevölkerungswachstum beträgt 2,9%. Das heißt, bei gleichbleibendem Bevölkerungswachstum wird Liberia im Jahr 2050 12,5 Millionen Einwohner haben.

Bis ins 17. Jahrhundert hatten sich 16 afrikanische Völker, die als Ureinwohner gelten, im Gebiet des heutigen Liberia angesiedelt.
Die indigenen ethnischen Völker Liberias gehören entweder den Mande-Völkern an (Kpelle 21%, Gio oder Dan 8%, Mano 7%, Loma 5%, Vai 3%) oder den Völkern, die Kwa-Sprachen sprechen (Bassa 16%, Kru 8%, Grebo 8%, Krann 5%).

Die Hauptstadt ist Monrovia mit mehr als 1 Million Menschen.
Die Amtssprache ist Englisch.
Religionen: 70% einheimische Religionen, 20% Muslime, 10% Christen.

1821: Vertreter der Ureinwohner Liberias und Vertreter der U.S.A. vereinbaren die Rückführung und Ansiedlung ehemaliger Sklaven aus den USA an der Küste des heutigen Liberia.
1824: Etwa 13.000 freigelassene Sklaven aus den USA leben in Liberia.
1839: Die Region erhält den Namen Liberia – Land der Freien. In Abgrenzung zu den Ureinwohnern nennen sich die Eingewanderten „Americo-Liberians“. Die Gebiete im Hinterland mit den Ureinwohnern werden „Reservate“ genannt.
1847: Die eingewanderten Siedler rufen die unabhängige Republik Liberia aus. Das Wahlrecht wird an Einkommen und Besitz gekoppelt. Das heißt, die einheimische Bevölkerung ist von demokratischen Prozessen ausgeschlossen.
Seit 1900 werden in Liberia Diamanten geschürft. Das rohstoffreiche Land erlebt einen Kautschukboom. Darauf folgen in den 50 er Jahren der Eisenerzboom und die Ausfuhr von Hölzern. Die jeweiligen Kompanien und Handelsgesellschaften sind in ausländischer Hand.
1958: Der sechsmal gewählte Präsident William V.S. Tubman (1944-1971) bemüht sich, die Kluft zwischen Nachkommen der freigelassenen Sklaven und den Ureinwohnern zu überwinden. Da die Wirtschaft weitgehend von amerikanischen Firmen kontrolliert wird, profitieren die Einheimischen nicht vom Wirtschaftsaufschwung nach dem 2. Weltkrieg. Sie verfügen über keine US $, die als Zahlungsmittel eingesetzt waren.
1980 Unter Leitung von Samuel Kanyon Doe putschen 17 Offiziere gegen die Regierung William R. Tolbert und ermorden ihn. Doe wird Präsident. Sein blutiges Regime wird von den USA unterstützt. Doe ist der erste „einheimische“ Präsident (vom Volke der Kran).
1988: Unter den Oppositionellen, die während der Doe Regierung inhaftiert werden, ist auch Ellen Johnson Sirleaf, ehemals Finanzministerin der Tolbert Regierung von 1979-80.
1989: Der ehemalige Doe Unterstützer Charles Taylor marschiert mit Bewaffneten von der Elfenbeinküste in Liberia ein. Ein erster Bürgerkrieg beginnt. Zunächst finanzieren sich die Rebellen vor allem durch Raub und Plünderungen. Bald gewinnen Rohstoffe eine wichtige Funktion für die Finanzierung der Truppen („Konfliktdiamanten“, „Blutdiamanten“). Doe wird getötet. Es gibt Übergangsregierungen, Entwaffnungsprogramme, immer wieder gebrochene Friedensschlüsse, Rückführungen von Flüchtlingen.
1997: Charles Taylor wird von 75% der Bevölkerung zum Präsidenten gewählt. Sein Wahlspruch ist: “Wenn ihr mich wählt, höre ich auf zu kämpfen.“ Seine stärkste Konkurrentin ist Ellen Johnson Sirleaf. Sie erhält 10% der Stimmen.
1999: Liberias Regierung wird von Ghana, Nigeria, Guinea Grenzverletzungen vorgeworfen. Rebellenkämpfe flammen überall im Lande auf.  Ein zweiter Bürgerkrieg beginnt.  Die Rebellengruppe LURD (Liberia United for Reconciliation and Democracy) erobert Gebiete im Norden des Landes mit dem Ziel Taylor aus dem Amt zu jagen. Der Süden des Landes wird blutig von MODEL (Movement for Democracy in Liberia) erobert.
2002: Taylor ruft den Notstand aus.
2003: Ein Gericht in Sierra Leone erhebt gegen Taylor Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Vereinten Nationen erheben Anklage gegen Taylor wegen der gleichen Verbrechen und der Rekrutierung von Kindersoldaten. Rebellen versuchen Monrovia einzunehmen.  Die Zivilgesellschaft ruft verzweifelt die U.S.A. und die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen auf.
Die Friedensfrauen von Liberia („Frauen in Weiß“) demonstrieren. Ihnen war klar geworden, dass Politiker nicht den Weg aus der Krise finden würden. Als der Krieg auf den letzten grausamen Höhepunkt zusteuerte und die Menschen in Monrovia wieder jeden Tag in Angst lebten, gingen tausende von Frauen, die sich über ethnische und konfessionelle Grenzen hinweg verbunden hatten, ganz in Weiß auf die Straßen. Nach zähen Verhandlungen dankt Charles Taylor ab. Er geht nach Nigeria ins Exil.
2003: Mit dem Friedensabkommen von Accra geht der Bürgerkrieg zu Ende. Eine 15000 Mann starke Friedenstruppe der Vereinten Nationen beginnt ihren Einzug in Liberia.
Nach 14 Jahren Krieg sind 200000 Menschen tot, viele verkrüppelt, 1,5 Millionen Flüchtlinge sind zu beklagen.
80% der Bevölkerung ist arbeitslos.
Die Infrastruktur des Landes liegt danieder. Eine funktionierende Stromversorgung oder Trinkwasser gibt es nur in wenigen Straßen der Hauptstadt. Schulen und öffentliche Gebäude sind zerstört. Eine Verwaltung gibt es nur in Ansätzen. Der Staatshaushalt beträgt gerade einmal 200 Millionen $. Die Auslandverschuldung von 3,7 Milliarden $ entspricht 800% des Bruttoinlandprodukts und 3000% der Exporte. Liberia ist auf Entschuldung und Hilfe von außen angewiesen. 100000 Krieger, darunter 25000 junge Frauen sind zu demobilisieren.

2005:Nach einer Übergangsregierung wird Ellen Johnson Sirleaf als erste Frau in Afrika zur Präsidentin von Liberia gewählt. Ihr Gegenkandidat ist der populäre Fußballspieler George Weah.
2006 Charles Taylor wird in Nigeria gefangen genommen. Er kommt nach Sierra Leone ins UN Gefängnis. Gegen seinen Willen wird er von der UN in die Niederlande geflogen, wo er sich vor dem Kriegsverbrechertribunal  zu verantworten hat. Die Anklage wirft ihm die Massaker im Bürgerkrieg in Sierra Leone zwischen 1991 und 2002 vor. Er soll Auftraggeber und Drahtzieher des Gemetzels im Nachbarstaat gewesen sein, um sich die Kontrolle über die dortigen Diamantenminen zu sichern. Aber da ihm dies nicht sicher nachgewiesen werden kann, ist eine Verurteilung fraglich (Stand November 2010).

Die Protagonistinnen des Films

Im Film treten einige Frauen der Friedensbewegung als Interviewpartner auf. Ihre Namen werden nur kurz eingeblendet. Deshalb werden sie hier kurz vorgestellt.

Leymah Ghowee: „Start from within!“, sagt die Friedensaktivistin Leymah Ghowee, wenn sie danach gefragt wird, warum sie in ihrem Engagement in der Frauenbewegung Liberias nicht nachlässt. Damit meint sie, dass das Engagement von innen kommen müsse. „Wenn du aufhörst, dann hörst du auch auf, den vielen Frauen die Möglichkeit zu geben, auszusprechen, wozu sie sonst keine Möglichkeit haben.“
Leymah ist eine der Initiatorinnen der liberianischen Frauenbewegung. Mit Gebetstreffen in der lutherischen Kirche beginnt die Bewegung, dann nehmen immer mehr Frauen an den Treffen teil. Sie treffen sich ganz in Weiß gekleidet. Tanzend und laut singend oder schweigend im Gebet, in sengender Hitze, in heftigem Regen. Frauen aus den Flüchtlingslagern kommen dazu, die Frauen formieren sich zu Protestmärschen, organisieren unermüdlich Plakataktionen und Resolutionen. Dabei spielen die Stammes- und Religionszugehörigkeit keine Rolle, alle haben das gleiche Ziel: Die Verantwortlichen sollen zum Einstellen der Kriegshandlungen bewegt werden. Unter Leymahs Führung erzwingt die Frauengruppe ein Treffen mit Charles Taylor und trotzt ihm das Versprechen ab, an Friedensverhandlungen in Ghana teilzunehmen. Leymah führt eine Delegation von liberianischen Frauen nach Ghana, um den Druck auf die sich bekriegenden Cliquen bei den Friedensverhandlungen aufrecht zu erhalten.

Etweda „Sugars“ Cooper: Sie spielt eine zentrale Rolle in der Friedensbewegung. Sie ist eine ihrer Sprecherinnen. 1994 gründet sie die Liberia Women Initiative, die sich für Abrüstung und freie und faire Wahlen einsetzt. Sie ist erfolgreich an den Friedensverhandlungen in Accra beteiligt.

Vaiba Flomo: Vaiba hat, bevor sie sich in der Frauenbewegung engagiert, in einem Programm der lutherischen Kirche mit traumatisierten Kriegsopfern gearbeitet. Sie ermutigt ihre Freundin Leymah, die Frauen Liberias zu mobilisieren. Gemeinsam bemühen sie sich um die Zusammenarbeit christlicher und muslimischer Frauen. Anfängliche Vorbehalte besiegt Vaiba durch ihre Botschaft: „Kann eine Kugel wählen? Unterscheidet sie zwischen einer Muslimin und einer Christin?“

Asatu Bah Kenneth: Sie arbeitet seit vielen Jahren als Polizeioffizier bei der liberianischen Polizei. Als Präsidentin der Liberia Female Law Enforcement Association wird sie zum ersten Treffen der WIPNET (Woman in Peacebuilding Network) eingeladen. Sie ist von dem Engagement der Frauen so beindruckt, dass sie, die Muslima,  die „Liberian Muslim Womans Organization“ gründet. Der Zusammenschluss der Organisation der christlichen Frauen mit der muslimischen ergibt die „Liberian Mass Action for Peace“. Zum ersten Mal arbeiten christliche und muslimische Frauen zusammen. Asatu ist maßgeblich daran beteiligt, Charles Taylor zu den Friedensgesprächen mit der LURD zu zwingen. Ihr Spitzname ist „stabilizer“ – Stabilisatorin.

Etty Weah: Mutter von zwei Söhnen. Vor dem Krieg verkaufte sie vor ihrem Haus in einer der Vorstädte Monrovias Nahrungsmittel. Sie ist eine treue Aktivistin, die Tag und Nacht, bei Regen und Sonnenschein in ihrem weißen Kleid für den Frieden demonstriert.

Janet Johnson Bryant: Journalistin, die hauptsächlich für den katholischen Radiosender Radio Veritas in Monrovia arbeitet. Als sie für eine Reportage über die Frauenarbeit recherchiert, wird sie Mitglied von WIPNET. Sie berichtet regelmäßig im Radio über die Aktionen des Netzwerks. Viele hundert Frauen werden so mobilisiert.

Die Filmemacherinnen

Gini Reticker (Regisseurin), Abigail E. Disney (Produktion), Kirsten Johnson´s (Kamera)

Als die Produzentin Abby Disney die Anfrage an die Dokumentationsfilmemacherin Gini Reticker richtete, einen Film über den Bürgerkrieg in Liberia zu drehen, schreckte diese zunächst davor zurück, zu entsetzlich waren die Berichte aus Liberia. Berichte über Gewalt gegen Frauen, Kindersoldaten, brutale Kriegsherren. Aber dann lernte sie Leymah Gbowee kennen, eine der führenden Aktivistinnen der Frauenbewegung. Sie war begeistert.  Das Engagement der Frauen, die wesentlich dazu beitrugen, Frieden in dem durch Krieg zerstörten Liberia zu stiften, steckte die Filmemacherin an. Das, was die Frauen in Liberia bewirkt hatten, war fast vergessen. Die Presse hatte darüber nicht berichtet. So sah die Filmemacherin es als absolutes Privileg an, diesen Film über die Frauen zu drehen und ihre Geschichte zum Leuchten zu bringen.

Zur Filmsprache

Wenn bei dem Filmpublikum der Eindruck entsteht, dass sich vor allem Frauen für Frieden, Versöhnung und Demokratie einsetzten und dass ohne sie die Friedensvereinbarung in Accra 2003 nicht abgeschlossen worden wäre, so entspricht das weitgehend der Realität. Frauen haben in staatlichen Organisationen, Nicht-Regierungsorganisationen, Kirchen und Gemeinden eine große Bedeutung für den inner-liberianischen Friedensprozess.

Die Filmsprache ist eher konservativ: Nahaufnahmen von sprechenden Personen, meistens Frauen, Porträts, Gesichter. Und Einblendungen, z.B. rennende, fliehende Menschen, Frauen, die demonstrieren. ...
Obwohl der Film einige Jahre nach dem Friedensschluss von Accra 2003 gedreht worden ist, haben die Filmemacherinnen erstaunlich viel interessantes Archivmaterial aus der Zeit des Bürgerkriegs zusammengetragen: Zum Beispiel die Autokolonne mit Charles Taylor, die an den für den Frieden demonstrierenden Frauen vorbeifährt, die Rede der Sprecherin der Friedensfrauen vor Charles Taylor und die Übergabe der Resolution der Frauen an die Senatspräsidentin, die Delegation der Frauen bei den Friedensgesprächen in Accra, die Dankesrede der Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf an die Frauen, etc. Diese Archivbilder unterstreichen, was die Protagonistinnen sagen,  die einzelnen Schritte in ihrem Friedenskampf. Die Bildgestaltung konzentriert sich auf die Frauen. Ihre Gesichter prägen sich dem Zuschauer tief ein. Trotz der vielen Gesichter, kein Interviewpartner ist zu viel, neben den führenden Organisatorinnen die einfache Aktivistin, neben der Polizistin die Journalistin, die beide ihre berufliche Kompetenz in die Friedensarbeit einbringen. Daneben die vielen, die namenlos bleiben, die Frauen auf der Flucht, im Lager, in der Kirche, bei den Friedensaktionen.
Männer erscheinen weitgehend als Täter, als Kriegstreiber, als Profiteure, die die Friedensverhandlungen torpedieren, bis auf den Vermittler bei den Friedensgesprächen in Accra, der die Bedeutung der Frauen für den Friedensabschluss erkennt. Und die vielen namenlosen Männer, die auf Lastwagen durch das Land fahren mit den Gewehren im Anschlag. Und immer wieder werden lachende Jugendliche gezeigt, die mit Gewehren spielen.

Der Film zeigt keine grausamen Bilder, obwohl von grausamen Geschehnissen berichtet wird, vom Hunger der Kinder, von Vergewaltigungen von jungen Mädchen und Frauen, von dem Hinschlachten der Bevölkerung. Das, was die Protagonistinnen erzählen, genügt, um das Unfassbare als Bild im Kopf entstehen zu lassen.

Liberia, das Land, das die Frauen so lieben, für das sie kämpfen, erscheint im Film nicht als schönes Land mit unverwechselbarer Landschaft. Es gibt keine „schönen Bilder“ eines schönen Landes. Man hat den Eindruck, überall kann es so aussehen, wo der Krieg wütet.

Didaktische Hinweise

Der Film berichtet vom Bürgerkrieg und der Bewegung der Friedensfrauen in Liberia in der Zeit von 2002 bis 2005 (2007).

Bürgerkrieg

  • Was bedeutet Bürgerkrieg für die Bevölkerung?
  • Welche Ursachen werden im Film für den Krieg genannt?
  • Gibt es nicht genannte Gründe für den Krieg?
  • Welches sind die Kriegsparteien?
  • Welche Ziele verfolgen sie?
  • Alle Kriegsparteien rekrutieren Kindersoldaten. Was erfahren wir über sie?
  • Wer sind die Opfer, wer die Täter in diesem Krieg?
  • Wie ist die Situation in den Flüchtlingslagern? Wo befinden sich die Flüchtlingslager?

Die „Frauen in Weiß“ – Die Friedensfrauen

  • Was ist der Grund, dass sich die Frauen zusammenschließen? Welche Erfahrungen haben sie geprägt?
  • Woher kommen sie? (gesellschaftlicher, konfessioneller Hintergrund)
  • Wie beginnt die Friedensarbeit?
  • Welche Rolle spielen einzelne Frauen, z.B. Leymah Gbowee oder Asatu Bah Kenneth? Was ist ihr Charisma? Was bringen sie ein? (Siehe dazu auch das Bonusmaterial, das Interview von Sabine Freudenberg von 2009 in Tübingen mit Leymah, das dieser Arbeitshilfe beiliegt).
  • Welche Mittel, welche Medien setzen die Frauen ein?
  • Warum wählen die Frauen die Farbe Weiß für ihre Kleidung?
  • Welches sind die strategischen Schritte der Friedensbewegung?
  • Wie nehmen die Frauen Einfluss auf die Friedensverhandlungen in Accra?
  • Wo sind die Frauen erfolgreich in ihrer Friedensarbeit?
  • Was gibt ihnen die Kraft auszuharren?

Zivilgesellschaftliches Engagement

  • Die Frauen haben eine große Ausstrahlung. Wie kommt es, dass ihr Beispiel so ermutigend ist? Können wir etwas von ihnen lernen?
  • Kennen wir andere Beispiele mutigen Einsatzes, die auf Änderung bestehenden Elends abzielen?
  • Sind ihre Methoden, ihre Aktionsformen übertragbar?

Liberia heute

  • Warum musste Charles Taylor ins Exil  nach Nigeria und wird heute vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag angeklagt?
  • Wie ist heute die Situation in Liberia? Vor welchen Herausforderungen steht das Land?
  • Wie ist die gesellschaftliche Integration von Opfern und Tätern möglich?

Zum Titel des Films

  • Leymah sagt, dass Taylor, der Christ ist und den Gottesdienst besucht,mit seinem Gebet den Teufel aus der Hölle jagen konnte („he prayed the devil out of hell“). Was bedeutet der Filmtitel „Pray the Devil Back to Hell“?
  • Was wird in dem Film über die religiöse Verankerung der Frauen gesagt?

Literaturhinweis

  • Liberia, Land der Freien – Last der Freiheit
  • Länderheft Weltmission heute Nr. 66
    Hrsg. Evangelisches Missionswerk in Deutschland, EMW, Hamburg 2009
    In diesem Band berichten mehr als 20 sachkundige Autoren und Autorinnen über die politische, soziale und religiöse Situation in Liberia. Viele Buchbeiträge befassen sich mit der Rolle der Frauen bei der mühsamen Suche nach Gerechtigkeit und der Aufarbeitung einer blutigen Geschichte. Besonders wertvoll sind die Briefe von Sabine Förster, die im Auftrag des Missionswerks der Evang.-Luth. Kirche in Bayern in Liberia zur Zeit des Bürgerkrieges arbeitete. In ihren Briefen beschreibt sie ihre Arbeit mit Flüchtlingen, ihre Erfahrungen mit Gewalt und Tod, aber sie erzählt auch von Festen und von Bewahrung in ausweglos scheinenden Situationen. Weiterführende Literatur  ist in dem Länderheft angegeben.


AutorInnen: Georg Friedrich und Brigitte Pfäfflin

November 2010